Iglu in den Alpen – Eine Nacht in Eis und Schnee

Wir träumten davon ein Iglu in den Alpen zu bauen und darin zu übernachten. Der rauen Kälte des Winters zu trotzen und wie die Inuit oder Polarforscher abends im  Iglu einzuschlafen und von den ersten Sonnenstrahlen, welche durch das Eis scheinen, geweckt zu werden. Dieser Traum sollte sich im Februar 2017 erfüllen.

Auf den Spuren der Inuit

Unser Treck aus 17 Personen stapft mühselig durch den Schnee. Wir befinden uns auf ca. 1500m Höhe. Unsere Blicke gehen abwechselnd von dem schneebedeckten Pfad, zu den Gesichtern unserer Mitstreiter, zu den Spitzen der Berge vor uns und zurück. Die Anstrengung ist unseren Begleitern anzusehen. Schwergängig heben sie die Schneeschuhe für den nächsten Schritt. Jeder Schritt wird von einem Schnaufen begleitet. Der Rucksack mit unserer Ausrüstung für die heutige Nacht wiegt schwer auf unseren Schultern und drosselt das Tempo weiter.

Zur Mittagszeit erreichen wir unseren Lagerplatz für diese Nacht. Die unberührte Schneefläche wird von ein paar wenigen Tannen und umliegenden Hügeln eingerahmt. Wir stärken uns mit etwas Tee und schauen erschöpft in die schneebedeckten Alpengipfel.

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Alsbald beginnen wir mit den Vorbereitungen für den Iglubau. Wir messen die Schneetiefe, legen den Bauplatz für die Iglus fest und bestimmen den Ort für den Steinbruch. Die Mittagssonne steht hoch am Himmel und brennt auf uns herunter, während wir den Schnee unter uns mit schweren Schritten verdichten.

Wir greifen zu den Schaufeln und heben einen Graben zwischen Steinbruch und Bauplatz aus. Mittels Seil und Stock zirkeln wir den Grundriss der Iglus aus und beginnen Eisblöcke aus dem Steinbruch zu sägen. Das Heben der Eisblöcke aus dem Graben ist mühsam. Es hat ein paar Tage zuvor geregnet und die Blöcke brechen an der entstandenen vereisten Zwischenschicht.

Die Arbeit zwingt uns immerwieder zu kurzen Pausen

Block für Block heben wir aus dem Steinbruch. Block für Block platzieren wir entlang des Iglu Grundrisses. Der Schweiß steht uns auf der Stirn, die Sonne im Nacken und es entstehen die ersten Reihen des Iglus. Die Nässe der Eisblöcke dringt durch unsere Handschuhe, der Schnee langsam durch unsere Schuhe. Die Zeit rast bei der Arbeit, immer häufiger wechseln wir uns bei dem Setzen der Blöcke und im Steinbruch ab. Zu Beginn des Iglu Baus noch langsam, nun jedoch immer schneller, bewegt sich die Sonne auf den Horizont zu.

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Mit dem Sonnenuntergang kehrt die Kälte zurück und kriecht in unsere Kleider. Wir wärmen uns erneut mit heißem Tee, vermeiden aber längere Pausen um nicht auszukühlen. Das erste Iglu unseres Trecks wird mit der eintretenden Dunkelheit fertig.

Es ist deutlich kleiner als unseres und wir sind gerade einmal bis zur Hälfte fortgeschritten. Wir hatten zu groß geplant. Immerwieder brachen die Blöcke, fielen ins Innere des Iglus als hätten sie keinen Halt. Unsere Nerven lagen blank, waren wir nun dazu verdammt im Schnee, in den Alpen, unter freiem Himmel zu nächtigen? Wir schauten uns lange in die Augen.

Aufgeben ist keine Option

Wir beschließen unsere Kräfte den anderen Iglubauern zur Verfügung zu stellen und helfen beim Vollenden der anderen Iglus. Wir sägen erneut Blöcke, tragen sie aus dem Steinbruch, setzen Block auf Block, vervollständigen Reihe um Reihe, verfugen die Blöcke untereinander mit frischem Schnee und setzen nach stundenlanger Arbeit den letzten Schlussstein. Es ist weit nach Mitternacht, jegliche Kräfte sind aufgebraucht. Wir beschließen noch etwas Suppe zu essen und zu viert in einem Iglu zu schlafen.

Eine Nacht in Eis und Schnee

Wir ziehen uns trockene Kleidung für die Nacht an. Ziehen Schal und dicke Socken an, setzen die Mütze auf und verstecken uns tief in unseren Schlafsäcken. Der Mond scheint hell durch die Fugen zwischen den Eisblöcken. Langsam weicht die Kälte der molligen Wärme des Schlafsacks und die Anstrengung lässt uns zufrieden einschlafen.

Nach 6.5 Stunden wecken uns die ersten Sonnestrahlen. Müde recken wir die Köpfe aus den Schlafsäcken und setzen vorsichtig einen Fuß in die kalte winterliche Umgebung vor unserem Iglu.

Die Knochen knacksen und die Muskeln schmerzen, doch als wir die Berge erblicken und der Blick zu unserem Igludorf wandert ist jegliche Anstrengung vergessen. Bei frisch gekochtem Kaffee lassen wir die Strapazen des letzten Tages und der letzten Nacht Revue passieren.

Wir sehen zufriedene und glückliche Gesichter, wohlwissend das wir dasselbe Lächeln aufgesetzt haben wie unsere Mitstreiter. Wir begutachten unser letztes Tagewerk, klopfen uns auf die Schulter und sind euphorisch bei der Planung der nächsten Nacht im Iglu.

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