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Karwendelgebirge bike+hike Tag 1 und 2

Tag 1 und 2 unseres bike + hike Abenteuers aus dem Karwendelgebirge in Österreich. Mit Wanderrucksäcken wagten wir uns auf Mountainbikes in die Berge um von Hütte zu Hütte zu radeln und dabei noch den ein oder anderen Gipfel zu erwandern.

Tag 1 – Bike zum Karwendelhaus

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Im Tal des Karwendelgebirges

Vor uns liegen die mattgrauen Felsen des Karwendelgebirges. Wir stellen unser Auto auf der deutschen Seite in Mittenwald an der Kaserne ab und machen unsere Räder für das bevorstehende Abenteuer bereit. Als Räder und Gepäck fertig sind spüren wir die ersten Tropfen auf der Haut. Ein Blick in den Himmel verrät, dass es nicht die letzten Tropfen sein werden. Das Tröpfeln wird immer stärker, wir stellen die Räder in unter einen schützenden Baum und flüchten mitsamt des Gepäcks ins Auto. So warten wir in Radhose und -trikot auf den Sitzen und schauen den dicken Regentropfen beim Platzen auf der Windschutzscheibe zu. Gedanken schießen durch meinen Kopf: „So ist Urlaub in der Natur nun mal, kann man nichts machen, da muss man durch, es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung…“ Nach 2,5 Stunden Anfahrt sitzt man wieder im Auto, aber unsere Vorfreude kann durch so ein bisschen Regen doch nicht getrübt werden.

So plötzlich wie der Regen kam, hört es auch wieder auf

Raus aus dem Auto, rauf auf die Räder und ab dafür. Die 15 km bis Scharnitz entlang der Isar auf kleinen Schotterwegen sind schnell abgespult und ideal um sich etwas warm zufahren. Auf dem Wanderparkplatz biegen wir ins Karwendeltal ab und werden mit dem ersten knackigen Anstieg konfrontiert. Links und rechts ragen die Berge hoch in den Himmel und wir radeln relativ flach an dem Karwendelbach entlang. Es dauert nicht lange und wir erblicken das Ziel des heutigen Tages: Das Karwendelhaus auf 1765m.

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ca. mittig im Bild unterhalb vom ersten Gipfel auf der rechten Seite befindet sich das Karwendelhaus

Von hier an heißt es in die Pedale getreten, ab jetzt geht es ca. 500 hm in Serpentinen kontinuierlich bergauf. Die Kombination aus Schotter, Anstieg und Rucksack erweist sich als besonders herausfordernd. Entweder steigt das Vorderrad oder das Hinterrad rutscht durch. Wir kämpfen also zusätzlich noch mit der Balance zwischen Vorder- und Hinterrad. Als wäre das noch nicht genug,  überholt uns noch jemand auf einem Elektro-Fatbike mit müheloser Leichtigkeit. Serpentine für Serpentine kommen wir dem Karwendelhaus näher und erreichen das heutige Ziel am frühen Abend.

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Nach einer erfrischenden eiskalten Dusche beziehen wir zwei Betten im Matratzenlager und gönnen uns ein/zwei Radler und Abendessen am Tisch von vier Wanderern aus Graz. Der Hüttenwirt berät am Abend in der Gaststube noch die morgigen Touren der Gäste. Einige wollen auf die Birkkarspitze (2749m). Steigeisen und Pickel sind bei den Schneefeldern jedoch unabdingbar und er rät jedem mit zu geringer alpiner Erfahrung von der Besteigung ab. Da wir kein Equipment mit dabei haben entscheiden wir uns für die Vogelkarspitze, welche laut Wirt sehr selten begangen wird und auch über keinen markierten Wanderweg verfügt. Müde und voller Vorfreude auf den morgigen Wandertag gehen wir zu Bett.

 

 

Tag 2 – Hike Vogelkarspitze

Nach einem ordentlichen Frühstück schnüren wir die Wanderschuhe, verstauen das Equipment im Rucksack und wandern los Richtung Vogelkarspitze. Bis zum Fuße des Gipfels verläuft der Weg relativ flach auf noch markierten Wanderwegen. An einer Gabelung halten wir uns rechts und folgen den Steinmännchen, welche uns zumindest am Anfang noch den Weg weisen werden.

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Blühender Enzian am Wegesrand

Wir durchstreifen Wiesen und Büsche, groben Schotter, schartige Steinfelder bis wir auf das erste Schneefeld treffen. Es ist Sommer, Mitte Juni, und die Sonne brennt auf uns herab. Wie stabil ist unter diesen Bedingungen Mitte des Jahres das Schneefeld? Auf dem Schneefeld auf der gegenüberliegenden Seite sind ca. 40 Gämse zu sehen. Sie rennen vor uns davon. Scheinbar mühelos finden Sie Halt im Schnee. Auch das Schneefeld gleitet nicht ab. Ein kurzer Blick auf unser Schneefeld zeigt uns, dass wir, falls es abrutscht, zumindest nur bis zum Ende des Trichters auf Schnee abrutschen. Zaghaft wagen wir den ersten Schritt. Die Oberfläche des Schnees ist hart. Wir treten Schritt für Schritt stabile Kanten in den Schnee und wechseln uns nach der Hälfte des Weges ab.

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Schneefeldquerung an der Vogelkarspitze

Vor uns liegt die nächste Herausforderung

Eine Kletterei an und über diverse Felsnadeln bis wir überhaupt erst zum Hauptanstieg gelangen.

Die Felsen sind brüchig, unter unseren Füßen Geröll. Jeder zweite Griff ist lose und löst sich bei Belastung einfach aus dem Fels. Wir klettern in einem Abstand von 10m und mehr auf Grund herabfallender Steine. Jeder Griff und jeder Tritt will sauber geprüft sein. Ist der Stein den ich in der Hand halte stabil? Wohin trete ich? Welchen Stein greife ich als nächstes? Wir steigen immer weiter voran, mit dem Wissen, dass es wieder runter nur noch schlimmer wird.

Mein rechter Tritt bricht aus der Wand, mein linker Fuß rutscht auf dem Schotter. Ich hänge nur noch mit jeweils drei Fingern jeder Hand am Fels. Ein kurzer Schrei ertönt von Simone, unter mir poltern die Steine gen Abgrund, immer tiefer bis in den Schneefeldtrichter unter uns.  Jetzt bloß Ruhe bewahren. Einfach festhalten und mit den Füßen etwas stabiles suchen. Meine Füße finden einen anderen Halt. Ich suche mir eine stabile Stelle zum stehen und atme erstmal tief durch.

Ich bin erstaunlich gelassen geblieben, hätte ich gar nicht gedacht. Aber wozu geht man denn in die Kletterhalle. OK, hier am Fels sind wir ungesichert, aber zumindest hat die Griffkraft ausgereicht um nicht ein paar Meter weit zu stürzen. Ab jetzt wird jeder Stein doppelt geprüft, kostet zwar Zeit, spart aber doch Nerven. Als wir an die erste Scharte gelangen entschließen wir uns umzukehren. Wir haben gerade einmal ein Drittel der gesamten Kletterei hinter uns und der Abstieg wird bedeutend schwerer als der Aufstieg.

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unser ungefährer Weg am Fels

Wie erwartet benötigen wir für den Abstieg wesentlich länger als für den Aufstieg. Wir vespern am Fuße der Felsen und genießen die Aussicht.

Wir sind leicht verstimmt weil wir umgekehrt sind

Einen Aufstieg nicht zu schaffen, ein Ziel nicht zu erreichen ist immer unbefriedigend. Aber lernt man nicht gerade aus den Touren, die man abbricht viel mehr, als aus denen bei denen alles glatt läuft?

Wir begeben uns auf den Rückweg, erneut durch das Schneefeld, durch die Steinfelder und Schotter bis wir wieder Wiese unter den Füßen haben.

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Ausblick auf dem Rückweg

Im Wirtshaus angekommen besprechen wir unsere Tour mit dem Wirt. Wir sind tatsächlich zu früh abgebogen. Wir hätten den Berg von vorne besteigen sollen, wir waren deutlich zu weit hinten und haben uns am falschen Schneefeld orientiert. Die Tour die wir versucht haben, hätte er uns niemals empfohlen. In seinen 27 Jahren als Hüttenwirt wären vielleicht fünf Wanderer diese Route gegangen. Wir haben also aus Versehen eine deutlich schwierigere Route genommen. Diese Erkenntnis bestätigt uns aus den richtigen Gründen die Tour abgebrochen zu haben.

 

Tag 3+4: Bike+Hike zur Falkenhütte & Bike zur Lamsenjochhütte

Tag  5+6: Hahnkampl – Sonnenjoch – Gramaialm – Lamsenjochhütte und zurück nach Mittenwald

 


empfohlene Karte: Karwendelgebirge Wanderkarte

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